Fragen an die Heilpraktikerin Dr. Gabriele Otto-Melzer

Du nennst dich Heilpraktikerin. Was bedeutet das und worauf beruht diese Berufsbezeichnung?

Dr. Gabriele Otto-Melzer

Heilpraktiker darf sich nennen, wer in Deutschland berufsmäßig die Heilkunde ohne Bestallung, d.h. ohne Arzt zu sein, ausüben will. Die Berufsausübung  einer Tätigkeit als Heilpraktiker ist im Heilpraktikergesetz vom 17.2.1939 sowie der Ersten Durchführungsverordnung geregelt und versteht unter Ausübung der Heilkunde jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden beim Menschen. Es handelt sich also um die Ausübung der Heilkunde durch Nichtärzte, wobei dies der Erlaubnis bedarf.
Um diese Erlaubnis zu erhalten, gibt es eine Kenntnis- und Fähigkeitsüberprüfung durch das jeweils zuständige Staatliche Gesundheitsamt sowie weitere einschränkende Bedingungen, die gesetzlich geregelt sind (z.B. Alter, Berufsabschluss, körperliche, geistige und sittliche Eignung sowie zuverlässiges und gesetzestreues Handeln). Die medizinische Kenntnis- und Eignungsüberprüfung setzt durchaus strenge Maßstäbe.
Die amtsärztliche Überprüfung konzentriert sich vor allem darauf, ob der zu Überprüfende weiß, wann er handeln darf und wann er den zu Behandelnden an einen Arzt überweisen muss. Er darf keine „Gefahr für die Volksgesundheit“ darstellen und seine Tätigkeit nicht im Umherziehen ausüben, d.h. er muss einen festen Praxissitz vorweisen. Und er muss die Berufsbezeichnung HeilpraktikerIn führen.

Es ist nachvollziehbar, dass auf diese Weise Gefahren für die Gesundheit der Patienten abgewehrt werden sollen. Warum jedoch bedarf es einer solchen zusätzlichen medizinischen Versorgung? Können nicht die Ärzte diese Tätigkeit ausfüllen, und wäre das nicht auch für die Patienten sicherer?

Dies hat sicherlich zunächst einmal historische Hintergründe, auf die ich jedoch nicht weiter eingehen möchte. Es gibt auch Gründe, die im System der medizinischen Versorgung liegen. Grundsätzlich ist es so, dass du dir als HeilpraktikerIn für jeden deiner Patienten ausreichend Zeit nehmen kannst, denn du bist nicht an kassenrechtliche Vorgaben gebunden. Du hast kein Budget und bist frei in deiner Behandlungs- und Preisgestaltung. Der Heilpraktikerberuf ist ein freier Beruf. Natürlich gibt es auch eine Berufsordnung und du wirst dich preislich an die Gebührenordnung für Heilpraktiker (GeBüH) halten. Und schließlich wirst du dafür sorgen müssen, dass deine Praxis wirtschaftlich arbeitet, denn in den meisten Fällen fallen Miet-, Ausbildungs- und etliche andere Kosten an.

Mit anderen Worten: Ich muss für die Behandlungskosten selbst aufkommen.

Ja. Diese sollte man vorher erfragen. Ich regele es mit einem Stundensatz. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit einer Heilpraktiker-Zusatzversicherung. Dann wird über deine Krankenversicherung abgerechnet. Natürlich hast du dann aber auch einen monatlichen Zusatzbeitrag an deine Krankenkasse zu zahlen. Das muss man sich genau ausrechnen. Bei nur kurzzeitiger Inanspruchnahme eines Heilpraktikers lohnt es sich nicht, aber viele kommen etwa alle vier Wochen, und für diese trägt es sich dann schon.

Was braucht es, um ein guter Heilpraktiker zu sein?

Natürlich Fachkompetenz. Empathie. Mitgefühl. Beharrlichkeit. Erfahrung. Gespür. Ausdauer. Zeit. Genauigkeit. Compliance. Berufung. Zu jedem dieser Stichwörter ließe sich sicherlich Einiges genauer sagen.

Welche Klientel sucht deine Hilfe?

Sehr oft „austherapierte Fälle“. Menschen, bei denen Ärzte an ihre Grenzen gekommen sind oder deren Probleme von diesem System nicht oder nicht ausreichend aufgefangen werden können. Es kommen zunehmend jedoch auch Menschen, die bewusst ihre Gesundheit in die eigenen Hände nehmen wollen und verstanden haben, dass Krankheit und Leiden Ausdruck eines inneren Ungleichgewichtes sind, Symptome einer gestörten Ganzheit. Denn Körper, Geist und Seele können nicht voneinander getrennt betrachtet werden, wenn man wirklich dauerhaft und sanft lindern bzw. heilen will. Dann gehört dazu auch, dass die tieferliegenden Ursachen für Gesundheitsstörungen ausfindig gemacht werden, und dies ist wahrlich oft mit Detektivarbeit vergleichbar. Ich behandle also Menschen aller Altersgruppen. Da gibt es keine Einschränkungen.

Und welche Krankheitsbilder behandelst du? Worauf bist du spezialisiert?

Krankheiten zeigen oft nur, dass wir etwas auf unserem Lebensweg korrigieren müssen. Krankheiten sind nur Namen, Klassifikationen… Mein Homöopathielehrer antwortete, wenn wir als gespannte SchülerInnen fragten: ,,Und was hatte sie?“ – Pulsatilla! ,,Ja, aber was hatte sie?“ – Pulsatilla! Die Gesamtheit ihrer Symptome wurde durch das homöopathische Arzneimittelbild von Pulsatilla abgedeckt, und danach, nicht nach Namen für Krankheiten, musste gesucht werden… Doch dies ist vielleicht schon ein bisschen zu fachlich… Grundsätzlich können und sollten alle Krankheiten ganzheitlich therapiert werden! Natürlich muss operiert werden, wenn operiert werden muss, aber ist das immer der Fall? Und sind damit schon alle Symptome und deren Ursachen beseitigt? Wohl kaum! Es ist daher nicht ganz exakt zu sagen, dass ich vorzugsweise Rücken- oder Gelenkschmerzen, akute Infekte, Allergien, Magen-Darm-Probleme, Hauterkrankungen, gynäkologische Erkrankungen einschließlich Geburtsvorbereitung usw. behandle. Oder die Dauerbrenner Herz-Kreislauf, Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Krebs, Prostata, Migräne, Traumata… Zu mir kommen auch Menschen mit Haarausfall, Frauen, die ein Kind empfangen möchten, Männer, die nicht verstehen, warum ihre Partnerin sie verlassen hat, Menschen mit Ängsten und Depressionen, mit extremem beruflichem Stress… Oft höre ich auch: ,,Ich bin so ausgepowert. Können Sie mal schauen und mir ein bisschen Energie geben?“

Wie ist das möglich, dass du solch ein breites Spektrum vorweisen kannst? Ärzte sind doch auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisiert.

Ich helfe Menschen ins Leben. Es geht nicht darum, am Symptom zu basteln, damit sie noch ne Woche durchhalten. Ich habe nicht die Vorstellung, Menschen zu reparieren. Ich unterstütze die Arbeit, die jeder vollbringen muss, der Besserung erwartet: Warum bin ich erkrankt? Wo liegt meine Selbstverantwortung? Krankheiten drücken etwas Bestimmtes aus: „das liegt mir im Magen“, “das kann ich nicht einfach schlucken“, “das will ich nicht mehr hören“, “das geht mir an die Nieren“ usw.

Also behandelst du psychosomatische Leiden?

Ja und nein. Darauf würde ich mich nicht beschränken lassen. Aber im weitesten Sinne ist jedes Symptom letzten Endes psychosomatisch… Selbst Unfälle, die man ja nicht willentlich herbeiführt, drücken dennoch etwas über uns aus, besonders, wenn sie sich häufen. Es geht um Lebensgestaltung, um Energie. Wie setze ich meine Lebenskraft ein, wo entsteht das Defizit, was läuft unbewusst an Selbstsabotage ab… Aber die Hilfe ist häufig auch sehr konkret: Hautleiden lindern oder zur Abheilung bringen, ohne zu unterdrücken, wie das mit Kortison leider allzu oft geschieht. Ernährungsfragen. Wo muss entgiftet, wo gestärkt werden. Und völlig hoffnungslos ist es nie. Auch die Begleitung eines Menschen in seinen letzten Stunden gehört durchaus zu meiner Arbeit. Gelegentlich Hausbesuche. Die Behandlung der Haustiere gleich mit. Wespenstiche. Borreliose. Nun ja, man hat zu tun.

Gibt es eine Patientengruppe, die dir besonders am Herzen liegt?

Ja. Junge Leute. Damit sie ins Leben kommen, ihre innere Kraft erkennen und einsetzen lernen. Die Lebensaufgaben, die vor ihnen liegen, sind nicht gering. Ich konfrontiere gern mit dem Luziferischen Prinzip: WER BIST DU WIRKLICH? Gespräche sind dabei sehr wichtig, Ruhe, Balance, Kreativität. Ich gebe zu, die Prostataprobleme der Rentner sind vielleicht nicht so sehr mein Hauptthema.

Arbeitest du mit Ärzten zusammen?

Immer und sehr gerne. Da kann man nie genug lernen. Auch wenn ich anders herangehe, so bin ich doch immer an einer gründlichen Diagnostik interessiert, und dazu gehören Befunde aller Art, dann sieht man weiter und kann neu entscheiden, was zu tun ist. Kommt mir etwas auffällig vor, schicke ich meinen Patienten sofort auch zu seinem Hausarzt zurück, um weitere Untersuchungen zu veranlassen. Das sollte in Zukunft Hand in Hand gehen, denn beide Seiten können voneinander viel lernen. Ärzte verwalten Jahrtausende altes aber auch hochmodernes technisches Wissen und Können. Gute Chirurgen und Ärzte im Selbstversuch genießen meine uneingeschränkte Hochachtung, zum Beispiel Dr. Werner Forßmann, der sich selbst den ersten Herzkatheder gesetzt, also todesmutig einen Schlauch bis ins Herz geschoben hat und dafür letzten Endes den Nobelpreis bekam. Und was viele nicht wissen: Die Klassische Homöopathie, die Samuel Hahnemann entwickelt hat, war ursprünglich eine ärztliche Teildisziplin. Auch hier gab es viel Selbstversuche von Idealisten. Darauf beruht unser heutiges Wissen über die Arzneimittelbilder. Die Europäische Aristokratie ließ und lässt sich homöopathisch behandeln! Und die Arbeit mit Energie oder Information blickt auf eine Tradition zurück, die wir in vielen Jahrtausenden messen, sie verliert sich in den Anfängen der Heilkunst und gehörte stets zum Repertoire eines Arztes. Es ist Lebenskunde.

Welche „Werkzeuge“ setzt du ein?

Klassische Homöopathie. Bachblüten. Orthomolekulare Arzneimittel. Neue Homöopathie nach Erich Körbler, d. h. Arbeit mit Informationen und Symbolen. Massagen mit ätherischen Ölen. Testung von Materialien und Nahrungsmitteln. Geführte Meditation. Alte chinesische Akupressur-Techniken. Yoga und andere Übungen zur Selbsthilfe. Ahnenfeldklärung. Trauma-Arbeit. Reiki. Raumentstörung. Myko-Therapie. Edelsteine. Chiropraktik. Phyto-Therapie. Welche Werkzeuge zum Einsatz kommen hängt sehr vom Krankheitsbild und vom jeweiligen Patienten ab. Nicht jeder ist für alles geeignet. Manche brauchen es eher „handfest“, andere „fein“. Und nicht alle sind geduldig. Dabei heißt Patient sein eigentlich lateinisch geduldig sein. Denn was seit Jahrzehnten besteht braucht auch ein Weilchen, bis es besser werden kann. Allerdings lehne ich es ab, etwas zu „beweisen“. Jeder möge sich selbst ein Bild machen. Das kann man nur durch Erfahrung gewinnen. Hier geht es um echte Partnerschaft, die mitunter über viele Jahre hält. Wenn wir unser Bestes geben so ist das gut genug. Dies ist auch dem Patienten zuzumuten.

Was erwartest du von deinen Patienten?

Ich bin nicht der kopflastige oberschlaue Homöopath, der dem Patienten sagt was er zu tun hat. Der Patient ist ein Suchender in eigener Verantwortung. Dabei stehe ich ihm mitfühlend und professionell zur Seite. Das Aufsuchen eines passenden homöopathischen Mittels beispielswiese kostet Zeit, erfordert Erfahrung und Intuition. Hier gibt es keine Routine, denn das Mittel wird genau entsprechend den Symptomen, die der Patient hat, gesucht, und das kann viel Arbeit bedeuten. Man nennt diesen Vorgang repertorisieren. Der Patient sollte sich einlassen können und sich nicht parallel selbst behandeln. Nur so kann genau verfolgt werden, ob und wie das Mittel wirkt. Es ist halt eine ganz andere Herangehensweise, da die homöopathische Verordnung individuell erfolgt. Selbstbeobachtung und offene Kommunikation, also aktive Mitarbeit des Patienten sind erforderlich. Außerdem unterstütze ich meine Behandlungen immer auch durch energetische Heilkraft, so dass der Heilungsverlauf oft radikal verkürzt werden kann.

Woher nimmst du diese Kraft?

Sie ist mir in die Wiege gelegt worden, aber man muss auch achtsam mit der Gabe umgehen und man übernimmt eine große Verantwortung. Wichtig sind Meditation, Ernährung, Bewegung, Selbstbehandlung, das ganze Spektrum dessen, was ich auch meinen Patienten und Schülern sage. Einen Arzt brauche ich extrem selten. Chemie nehme ich nicht, weil Beschwerden meist im Vorfeld bereits abgefangen werden können und es viele Möglichkeiten gibt, sich gesund und leistungsfähig zu erhalten.

Willst du nicht mal langsam aufhören zu arbeiten?

Daran habe ich durchaus schon gedacht. Ich hätte schon auch andere Vorstellungen davon, was ich noch tun möchte. Aber noch ist es nicht Zeit dafür. Und das gegoogelte medizinische Halbwissen ist in meinen Augen gefährlich. Daher bin ich beratend tätig. Ich sehe noch viele Aufgaben vor mir. Und warum sollte ich Weisheit nicht auch anderen zur Verfügung stellen?